Aufbau eines sicheren und dichten Rad-Vorrang-Netzes

Vom Bezirksausschuss 15 am 22.10.2020 einstimmig angenommen.

Final beschlossene Version nach Beratungsrunde im Sonder-UA am 07.10.20

Voller Wortlaut des Antrags: Truderinger-Riemer Fahrradoffensive Teil 4 – Aufbau eines sicheren und dichten Rad-Vorrang-Netzes für Alltags-, Schul- und Freizeitverkehr innerhalb des 15. Stadtbezirks und in benachbarte Stadtbezirke bzw. Nachbar-Kommunen

Vorbemerkung

Das Truderinger Straßennetz ist geprägt von zahlreichen Tempo-30-Straßen und einer Reihe von Hauptverkehrsstraßen, teilweise mit begleitenden (benutzungspflichtigen) baulichen Radwegen. Diese Radwege entsprechen weder den aktuellen bundesweiten Empfehlungen für Radverkehrsanlagen (ERA) – als Teil des Nationalen Radverkehrsplan 2020 (NRVP) – noch den ambitionierteren Richtlinien aus dem Münchner Radentscheid aus dem Jahr 2019. Aus dieser Analyse leitet sich ein erheblicher Handlungsbedarf ab, auch um bereits getroffene Beschlüsse des Münchner Stadtrats umzusetzen, z. B. folgende:

  • Bürgerbegehren „sauba sog i“ (Luftreinhaltung)
  • Bürgerbegehren Radentscheid (Förderung des Radverkehrs)
  • Vision zero (Zielsetzung: keine Verkehrstoten in München)
  • Klimapaket der LH München mit Beschluss zum Klimanotstand (Klimaschutz)

Mit nachfolgendem Antrag für ein Radwegenetz im 15. Stadtbezirk soll der Fokus auf unseren Stadtteil und die Verbindungen in die benachbarten Stadtteile und Gemeinden gelegt werden, nachdem der Schwerpunkt bislang in den Innenstadtbezirken liegt. Oberste Priorität hat dabei die Verkehrssicherheit für alle – insbesondere aber die schwächeren Verkehrsteilnehmenden, vor allem Kinder und Senioren. Zu berücksichtigen ist auch die wachsende Zahl der Ganzjahresradelnden, der Pedelec-Nutzer und der ca. 40% autofreien Haushalte in München. Hohe Priorität hat eine schnelle und kostengünstige Umsetzung. Fahrradstraßen sind dabei ein wichtiges Instrument aus der StVO zur Zielerreichung. Alle nachfolgend beantragten Fahrradstraßen und Fahrradzonen (gelb markiert) erfüllen die Kriterien der StVO und machen weniger als 5 % des örtlichen Straßennetzes aus.

Das Radwegenetz soll die wichtigsten Orte und Ziele im Stadtbezirk mit dem Fahrrad gut erreichbar machen. Dazu gehört auch die Instandsetzung und laufende Pflege nicht asphaltierter Wegeverbindungen sowie eine vernetzende Routenbeschilderung. Letztendlich soll das Fahrrad als vollwertiges, schnelles, platzsparendes, leises und umweltfreundliches Verkehrsmittel für Alle im 15. Stadtbezirk gefördert werden.

Antrag

Der BA15 fordert die Stadtverwaltung auf, auf folgenden Strecken den Radverkehr sicherer und komfortabler zu führen als das bislang der Fall ist. Dazu werden folgende Maßnahmen vorgeschlagen:

  • Sanierung Fahrbahnbelag (SF)
  • Sanierung der Überfahrten querender Straßen (SÜ)
  • Fahrradstraße mit Zusatzschild Kfz-Verkehr frei (FS)
  • Fahrrad-Zone (FZ)
  • Radverkehrssicherer Ausbau/Umbau (A/U)
  • Bereits sanierte Radverkehrsanlagen (neu).

Alle vorgeschlagenen Strecken sollen beschildert werden. Der BA15 ist bereit, eine Kofinanzierung bei der Beschilderung zu leisten.
Im weiteren Verfahren soll das Gesamtnetz in entsprechende haptische und digitale Pläne übertragen werden (z. B. eine aktualisierte Auflage eines Senioren- und Fahrrad-Stadtplans). In der Detailplanung ist nach Qualität und Sicherheit der einzelnen Routenabschnitte zu differenzieren. Dabei sind Schulen, Freizeit- und Sporteinrichtungen sowie Versorgungszentren gesondert zu berücksichtigen.

A) Routen in Süd-Nord-Richtung

Route 1a (östlichste Verbindung) von Waldperlach über Waldtrudering nach Haar:
Friedrich Panzer Weg (SF) – Nauestraße und Fauststraße – Weg an der Marienklause (Alternative Fauststraße und Schwedensteinstraße) – Tsingtauer Straße und Von- Erckert-Straße (Alternativvariante Am Eulenhorst – Blesshuhnweg- Trachtlerweg SF) – bis zur Stadtgrenze. Verknüpfung mit 4b, 5b und 6b.

Route 2a von Waldperlach über die Grenzkolonie Trudering in die Messestadt und weiter nach Feldkirchen und Kirchheim: Friedrich Panzer Weg (SF) – Nauestraße – Breites Geräumt (SF) – Markgrafenstraße (FZ, bereits beantragt) – Friedenspromenade Radweg (Verbreiterung und SÜ bereits vom BA15 beantragt) – Schwablhofstraße – Riemer Park (SF) – De Gasperi-Bogen – Münchner Straße nach Feldkirchen oder Radweg westlich
der Ottendichler Straße als Freizeitroute nach Feldkirchen und Kirchheim. Verknüpfung mit Route 1b, 2b, 3b, 4b, 5, 6b und 7b.

Route 3a von Neuperlach (Ost) in die Messestadt und weiter nach Riem und Aschheim-Dornach: Alexisweg (neu) – Friedrich-Creuzer-Straße (Verbesserungen nach Ortstermin bereits von BA15 und 16 beantragt) – Friedenspromenade Anliegerfahrbahn (FS bereits verwirklicht) Friedenspromenade Radweg (Verbreiterung und SÜ bereits vom BA15
beantragt) – Schwablhofstraße – Riemer Park (SF) – Taschenpark in Richtung Riem Arcaden – Platz der Menschenrechte – Olof-Palme-Straße – An der Point – Riemer Straße (Neukonzeption beidseitiger durchgängiger Radwege/-streifen im Ortszentrum) – Erdinger Str. (FS) zur Stadtgrenze. Verknüpfung mit Route 1b, 2b, 3b, 4b, 5b, 6b, 7b.

Route 4a – die Schöne – von Neuperlach (Ostpark) über die Gartenstadt Trudering in das Truderinger Ortszentrum und Kirchtrudering nach Riem weiter nach Johanneskirchen/Unterföhring: Ostpark-Ausläufer (südlich der Zehntfeldstraße) – Mädelegabelstr./Gustav-Lindner-Weg oder Hans-Pfann-Straße – Horst-Salzmann-Weg (neu) – Rothuberweg (FS, Projekt Aktive Zentren) – neues verkehrsberuhigtes Ortszentrum – Lehrer-Götz-Weg (FS, Projekt Aktive Zentren) – Leonhardiweg – Ilmstraße – Grünanlagenweg entlang des Hüllgraben – Kiesweg entlang der BAB 94 – Brukenthal Straße (Tierheim) – Riemer Straße/Brücke (Verbesserungen im Zuge des Bahnausbaus DTKS) – bis zur Landshamer Straße und Schichtlstraße – durch Daglfing weiter bis zur Stadtgrenze im Münchner Nordosten. Verknüpfung mit Route 1b, 2b, 3b, 4b, 5b, 6b und 7b.

Route 5a – die Schnelle – (westlichste Verbindung) von Neuperlach (PEP) über die Gartenstadt Trudering in das Truderinger Ortszentrum und weiter wie Route 4a. Corinthstraße – Bajuwarenstraße (Abzweig an der Wabula bis zum Rothuberweg) ins neue verkehrsberuhigte Ortszentrum – Lehrer-Götz-Weg (FS, Projekt Aktive Zentren) – Leonhardiweg – Ilmstraße – Grünanlagenweg entlang des Hüllgraben – Kiesweg entlang der BAB 94 – Brukenthal Straße (Tierheim) – Riemer Straße/Brücke (Verbesserungen im Zuge des Bahnausbaus DTKS) – Rennbahnstraße – durch Daglfing bis zur Stadtgrenze im Münchner Nordosten. Verknüpfung mit Route 1b, 2b, 3b, 4b, 5b, 6b und 7b. Alternativstrecke ab der Wabula/Kreillerstraße und Karpfenweg bis zum S/UBhf. Trudering.

A) Route in West-Ost-Richtung

Route 1b – die Schöne – (nördlichste Verbindung) von Daglfing über Riem nach Feldkirchen: Schichtlstraße – Frobenstraße (FS) – Fuß-Rad-Verbindung nördlich der Bahnstrecke über Dornach GE nach Feldkirchen. Verknüpfung mit Route 2a, 3a, 4a, 5a.

Route 2b – die Schnelle – von Bogenhausen/Daglfing über Riem in die Messestadt nach Feldkirchen: Riemer Straße/Brücke (Verbesserungen im Zuge des Bahnausbaus DTKS) – Riemer Straße im Ortskern (Neukonzeption beidseitiger durchgängiger Radwege/-streifen) – Riemer Straße bis Paul-Henri-Spaak-Str. – Verknüpfung mit R. 2a, 3a, 4a, 5a.

Route 3b
Variante 1: von Berg-am-Laim (Nord) über Moosfeld und Kirchtrudering in den Riemer Park nach Feldkirchen: Truderinger Straße (U, Stadtratsauftrag) – Thomas-Hauser-Straße – Am Moosfeld – Ilmstr. – Leonhardiweg – Truchthari-Anger – Riemer Park – De Gasperi-Bogen – Münchner Straße nach Feldkirchen oder Radweg westlich der Ottendichler Straße als Freizeitroute nach Feldkirchen und Kirchheim. Verknüpfung mit Route 2a, 3a, 4a und 5a.
Variante 2: von Berg-am-Laim über Kirchtrudering in den Riemer Park nach Feldkirchen: Truderinger Straße (fahrradgerechter Umbau ab Thomas-Hauser-Straße) – Lehrer-Götz-Weg (FS, Projekt Aktive Zentren) – Josef-Hagn-Straße (FS) – Kirchtruderinger Straße – Emplstraße (Projekt B-Plan Arrondierung Kirchtrudering) – Straßl ins Holz (Projekt BPlan
Arrondierung Kirchtrudering) – Riemer Park – De Gasperi-Bogen – Münchner Straße nach Feldkirchen oder Radweg westlich der Ottendichler Straße als Freizeitroute nach Feldkirchen und Kirchheim. Verknüpfung mit Route 2a, 3a, 4a und 5a.

Route 4b von Berg-am-Laim (Nord) über das Truderinger Ortszentrum und
Waldtrudering nach Putzbrunn/Solalinden: Truderinger Straße (fahrradgerechter Umbau ab Thomas Hauser Straße) – Max-Rothschild-Str. – im Bereich der Querung der Wabula bzw. der Einmündung in die Solalindenstr. (A/U) – Solalinden Straße/Ottilien Straße (ist als Routenalternative gedacht mit Übergang auf der Höhe Parallelfahrbahn
Friedenspromenade) – Ödenstockacher Straße – Schramminger Weg (FS + SF im Waldbereich) bis zur Stadtgrenze im Münchner Osten. Verknüpfung mit Route 1a, 2a, 3a, 4a, 5a, 5b und 7b.

Route 5b Berg-am-Laim (Zentrum) über Waldtrudering nach Haar: Kreiller Straße und Wasserburger Landstraße, punktuelle Verbesserungen für den Radverkehr entlang dieser wichtigen Haupt- und Einkaufsstraße umsetzen, insbesondere verbesserte Abstellanlagen und Querungen. Siehe beigefügte Datentabelle mit den Breiten der Fuß- und Radwege. Verknüpfung mit Route 1a, 2a, 3a, 4a, 5a, 4b und 7b.

Route 6b von Berg-am-Laim über Gartenstadt Trudering nach Putzbrunn/Solalinden (Isar-Inn-Radweg): Waldstraße/Grünanlage – St- Augustinusstraße – Grünanlage südlich Batschkastraße (Alternative Vogesenstraße) – Markgrafenstraße (FZ, Beschluss BA15) – Schramminger Weg (FS + SF im Waldbereich, Beschlusslage des BA in 2020) bis zur
Stadtgrenze im Münchner Osten. Verknüpfung mit Route 1a, 2a, 3a, 4a, 5a, 4b und 7b.

Route 7b (südlichste Verbindung) aus Ramersdorf (Ostpark) und Berg-am-Laim über Gartenstadt-Waldtrudering nach Haar/Gronsdorf: Zehntfeldstraße/Grünanlage südlich Zehntfeldstraße – Am Hochacker (bereits beantragte FZ + SF) – Turner Straße (FS) – Rotkehlchenweg – Adlerstraße. Verknüpfung mit 2a, 3a, 4a, 5a und 4b, 5b, 6b.

Begründung

Der 15. Stadtbezirk verfügt zwar über eine Reihe von Fahrradwegen und Wohnstraßen, jedoch entsprechen die Fahrradwege in den seltensten Fällen den aktuellen Standards bundesweiter Richtlinien und auch nicht dem Stadtratsbeschluss zum Münchner Radentscheid aus dem Jahr 2019. Die Wohnstraßen sind zwar weitgehend als T30-Zonen/Straßen ausgewiesen, allerdings ist die (gefühlte) Sicherheit in vielen Straßen verbesserungswürdig und es fehlt jede Netzwirkung im Stadtbezirk sowie in die Nachbarstadtteile und die Umlandgemeinden, und ebenso eine orientierende Beschilderung.

Diese Netzwirkung zu schaffen ist ein wesentliches Ziel dieses Antrags. Zur weiteren Förderung des Radverkehrs für den Alltags-, Schul- und Freizeitverkehr für alle Altersgruppen muss primär die Verkehrssicherheit verbessert werden – z. B. durch Fahrradstraßen/-zonen und breitere Radwege – sowie eine Komfortsteigerung durch sanierte und vernetzte Wegeverbindungen mit Beschilderung. Dazu sind die vorhandenen und die neuen Radwegeverbindungen ständig zu pflegen, Schwellen, Kanten und Unebenheiten sind zu beseitigen. Die vorgeschlagenen Routen bilden eine
gute Grundlage für optimierte Verbindungen in diesem großflächigen Stadtbezirk und über die eigenen Stadtbezirksgrenzen hinaus. Dieses fahrradfreundliche Netz im 15. Stadtbezirk lässt sich mit relativ geringen finanziellen Mitteln generieren.

Unser Antrag im Rathausinformationssystem.

Verwandte Artikel