Innovatives Alten- und Pflegekonzept im 5. Bauabschnitt/ Arrondierung Kirchtrudering

Fraktionsübergreifender Antrag (GRÜNE, CSU, SPD, ÖDP, FW, FDP) für die Sitzung des BA15 Trudering-Riem am 25.02.2021. Dort einstimmig angenommen.


Antrag

1. Flächen:

Der Bezirksausschuss 15 bittet die Stadt um die Reservierung von Flächen im künftigen 5. Bauabschnitt/Arrondierung Kirchtrudering für folgende unter 2. und 3. aufgeführte Zwecke, soweit nicht bereits erfolgt:

2. Innovative Versorgung von Pflegbedürftigen:

Der Bezirksausschuss 15 bittet die Stadt um die Entwicklung eines innovativen Versorgungskonzepts für Pflegebedürftige. Es soll sich dabei um ein Projekt handeln, bei dem die in der Pflegebedarfsprognose für den Stadtbezirk 15 erwähnten fehlenden 191 stationären Pflegeplätze möglichst so geschaffen werden, dass alle ambulanten, teilstationären und stationären kommunalen Möglichkeiten menschenfreundlicher Pflege ausgeschöpft werden:

Prävention: Eine optimale Vernetzung aller betroffenen Akteure in der ambulanten Altenpflege soll dazu führen, dass der Anteil der in stationärer Pflege zu betreuenden Menschen weit unter die Prognose von 191 Personen gesenkt werden kann. Auch das Projekt „Wohnen im Viertel“ der GEWOFAG soll im 5. Bauabschnitt angeboten und in diese Vernetzung mit einbezogen werden.

Ambulante und teilstationäre Pflegeplätze: Hier soll z.B. die Schaffung weiterer ambulanter Pflege-WGs in Betracht gezogen werden, die Schaffung von Tages- und Nachtpflegeplätzen sowie deren Verschränkung für eine Kurzzeitpflege < 1 Woche. Auch traditionelle Kurzzeitpflege, die oft erst ab einer Dauer von > 2 Wochen angeboten wird, soll im Viertel möglich sein. Berücksichtigt werden soll auch das innovative Konzept der betreuten Nachtcafés für demente Menschen, die nachts nicht mehr schlafen können.

Stationäre Pflege: Sollte dennoch eine stationäre Pflege notwendig werden, bitten wir auch hierfür um ein innovatives Konzept ähnlich des Pflegeheims am Ackermannbogen, in dem Menschen im Alter möglichst in der Nähe ihrer früheren Wohnumgebung und integriert in ihr Viertel wohnen und versorgt werden können. Eine Eigentümerschaft im Besitz der Stadt, z.B. dem Münchenstift oder eine gemeinnützige Einrichtung, wie das Kuratorium Wohnen im Alter wird bevorzugt.

Die Messestadt ist ein junges Viertel mit hohem innovativem Charakter. Sie ist ein idealer Ort, um alternative Pflegeformen zu verwirklichen.

3. Innovative Wohnformen für Alte

Der Bezirksausschuss 15 bittet die Stadt um die Entwicklung und Verwirklichung von innovativen Wohnprojekten für alte, insbesondere einkommensschwache Menschen auf dem Gelände des 5. Bauabschnitts/ Arrondierung Kirchtrudering. Als Beispiel sind hier die Wohnprojekte des Vereins „Nachbarschaftlich leben für Frauen im Alter“ genannt. Hier wohnen Frauen im Münchenmodell Miete in eigener Wohnung, teilen sich jedoch einen Gemeinschaftsraum und einen Garten und erleben sich als Gemeinschaft, in der man sich gegenseitig unterstützt. Das Beispiel zeigt, dass es sinnvoll ist, sich schon vor Planung entsprechender Gebäude mit der Realisierung derartiger Projekte im 5. Bauabschnitt zu befassen.

Mit Beschluss vom 14.März 2019 wurde das Sozialreferat vom Stadtrat beauftragt bis zum Jahr 2025 zehn neue Seniorenwohnanlagen und mindestens 5 Wohngemeinschaften neu zu schaffen. Ist im Rahmen dieses Beschlusses das Kontingent bereits ausgeschöpft? Falls ja, welche Planungen gibt es hier für die Zukunft?

4. Beteiligung:

Der BA und die derzeitigen Akteure in der Altenbetreuung- und pflege im Stadtbezirk 15 sollen baldmöglichst beteiligt werden, um zu diesem Thema ihre Expertise und Ideen bereits für die Verwendung im Aufstellungs-beschluss einbringen zu können. Hier ist auch an eine Vernetzung zwischen Pflegeformen (Punkt 2 dieses Antrags) und Altenwohnen (Punkte 3 dieses Antrags) zu denken wie dies bereits im Projekt „Wohnen im Viertel“ vorgesehen ist.


5. Bedarf und Versorgungszahlen heute und in Zukunft:


Wir bitten um Beantwortung der Frage, ob und wie in der „Bedarfsentwicklung zur pflegerischen Versorgung in der Landeshauptstadt München 2020-2030“, der zu erwartende Bevölkerungszuwachs im Stadtbezirk 15 auf den anstehenden Entwicklungsflächen einbezogen ist: 5. Bauabschnitt Messestadt/Arrondierung Kirchtrudering, geplante städtische Wohnungen im Rahmen der Bebauung an der Olof-Palme Straße, Rappenweg, Heltauer Straße.

B. Begründung der Punkte 1.- 5.

Die Messestadt ist mit fast 25 Jahren ein junges Viertel. In 20 bis 30 Jahren werden die Menschen, die dort dauerhaft sesshaft geworden sind, alt bis sehr alt sein und gegebenenfalls Unterstützung benötigen. Bereits jetzt besteht der Wunsch pflegebedürftige Eltern in der Nähe der eigenen Wohnung unterbringen zu können.

Es besteht ein großer Wunsch im Alter möglichst zu Hause versorgt werden zu können und nicht in ein Pflegeheim gehen zu müssen. Gleichzeitig wird es Familien/Paare/Lebensgemeinschaften geben, in denen pflegebedürftige Menschen nicht ganztags unterstützt werden können, aber der Wunsch besteht, die pflegebedürftigen Angehörigen weiterhin schwerpunktmäßig zu Hause zu betreuen. Dafür werden Angebote der Tagespflege bzw.- betreuung- und Nachtpflegeplätze benötigt.

Das Sozialreferat hat in seiner aktuellen „Bedarfsermittlung zur pflegerischen Versorgung in der Landeshauptstadt München 2020-30,“ eine Unterversorgung von 191 Plätzen im Jahr 2030 im Stadtbezirk 15 prognostiziert (S. 34) und schlägt zur Abhilfe selbst den 5. Bauabschnitt als möglichen Standort vor (S. 32).

Begründung speziell zu 2:

Auch wenn alte Menschen nicht pflegebedürftig sind oder noch nicht pflegebedürftig sind, so haben Sie oft dennoch den Wunsch, im Alter nicht vollkommen alleine zu wohnen. Gegenseitige Unterstützung verringert die Abhängigkeit von ambulanten Angeboten.

Begründung speziell zu 1:

Der 5. Bauabschnitt eignet sich für die Verwirklichung der im Antrag geschilderten innovativen Pflege- und Wohnformen für Alte besonders, weil:

  • auch dort ein Ortszentrum mit Nahversorgung entstehen soll, mit dem kurze Wege für den täglichen Bedarf zur Verfügung stehen und ein lebendiges Viertel vor Einsamkeit schützen kann,
  • der Riemer Park, der vielen Bürger*innen des Bezirks im Laufe ihres Lebens ans Herz wächst, fußläufig bzw. mit dem Rollator oder Rollstuhl zu erreichen ist,
  • sowohl Bürger*innen aus der Messestadt als auch aus Kirchtrudering so eine wohnortnahe Möglichkeit der Versorgung bei Pflegebedarf oder für das Wohnen im Alter zur Verfügung steht.

Ein Standort an der Willy-Brandt-Allee wird für wenig optimal eingeschätzt. Die Straße ist laut, bietet keine Blicke ins Grün, sondern auf hohe Wohnhäuser und die Messehallen und wird eher als „am Rande“ wahrgenommen.

Unser Antrag im RIS

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